Aktuell

Mein Leserbrief: Kirche in Erklärungsnot?

Mein Leserbrief: Kirche in Erklärungsnot?

Soll sich die Kirche (weiterhin) in die Politik einmischen und klare Positionen beziehen? Die Haltungen dazu sind kontrovers.

Nachdem sich die Kirche und kirchliche Institutionen vor der Abstimmung über die Konzernverantwortungsinitiative im November 2020 deutlich über das politische Fensterbrett hinausgelehnt haben, sind Diskussionen über die Rolle der Kirche in der Schweiz aufgekommen.

Darf und soll sich die Kirche politisch einmischen und Stellung beziehen oder soll die klare Trennung von Kirche und Staat gelebt werden? Seither ist der Erklärungsnotstand in der Kirche offensichtlich. Noch nie in den letzten mindestens 20 Jahren hat die Kirche eine solche Marketingoffensive gestartet wie seit letztem Herbst. In Presseartikeln, Inseraten, Kirchenblättern, persönlichen Briefen und nun auch noch mit einem farbigen Faltblatt in Haushaltsauflage erklärt die Kirche den Zweck und den Einsatz der Kirchensteuer. Mit „kirchensteuern-sei-dank“ hat die Katholische Kirche im Kanton Luzern (und im Kanton St. Gallen) sogar eine eigene Homepage aufgeschaltet. Offenbar ist es an der Zeit, Transparenz zu schaffen. Die vielen Kirchenaustritte sollen gestoppt werden.

Mich persönlich irritiert dieses Vorgehen wie sich die Kirche mit teuren Marketingmitteln (wohl aus Kirchensteuer-Geldern) erklären oder rechtfertigen muss. Der Mehrwert kirchlicher Arbeit im sozialen Bereich ist unbestritten. Wäre ich eine Zweiflerin, würden mich die Publikationen nicht an einem Kirchenaustritt hindern. Die Wirkung wäre demnach verfehlt. Zusätzlich frage ich mich, wie lange die jur. Personen im Kanton Luzern noch zur Zahlung von Kirchensteuern verpflichtet sind, zumal deren InhaberInnen und Angestellte wohl in der Mehrheit bereits Kirchensteuern bezahlen. Im Gegensatz zu einigen anderen Kantonen wird in unserem Kanton an diesem alten Zopf festgehalten. Leider können jur. Personen keinen Kirchenaustritt geben, da sie auch nicht Mitglied einer religiösen Gemeinschaft werden können. Mit ihrem Aktivismus erweist sich die Kirche eher einen Bärendienst.

Heidi Scherer, Meggen

13.4.2021

Jetzt teilen:

Weitere Beiträge

07.09.2021

Mein Leserbrief: Homeoffice ist gut für das lokale Gewerbe und die Randregionen

Homeoffice bietet Chancen, welche wir nutzen sollten. Chancen für Randregionen, gegen Fachkräftemangel und für das lokale Gewerbe. Mein Leserbrief dazu.

Mehr erfahren
23.06.2021

CO2-Gesetz: Leider nein.

Leider hat die Mehrheit der abstimmenden Bevölkerung der Schweiz (wie im Kanton Luzern) das CO2-Gesetz mit 51.6 % abgelehnt. Obwohl nicht sehr deutlich; ein Nein ist ein Nein. Die Ablehnung bedeutet jedoch keinen Richtungswechsel. Offenbar braucht es andere, mehrheitsfähige Instrumente. Es wird jedoch nicht ohne einen persönlichen Beitrag von uns allen möglich sein, die gesteckten Klimaziele zu erreichen. Konsequentes, glaubwürdiges Verhalten ist gefragt. Analog des obigen Bildes ist es wichtig, dass Taten den Worten folgen und das Handeln glaubwürdig mit dem Denken/Wünschen übereinstimmt. Ein kleiner Wermutstropfen: In Meggen wurde das Gesetz mit 54 % bei einer Stimmbeteiligung von 70.6 % angenommen. Das freut mich sehr!

Mehr erfahren
16.05.2021

Mein Leserbrief: Klimafreundlich handeln, besser heute als morgen

Die eidg. Abstimmung über das neue CO2-Gesetz findet am 13. Juni 2021 statt. Ein klares JA ist wichtig für die Schweiz.

Mehr erfahren