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Mein Interview in LU-WAHLEN

Mein Interview in LU-WAHLEN

"Verantwortungsvoll handeln - Lebensqualität sichern." Mein Leitsatz vor und nach den Wahlen.

Kolumne von Heidi Scherer (Quelle: LU-WAHLEN.ch)

25.03.2019

«Verantwortungsvoll handeln – Lebensqualität sichern»

Für FDP-Kantonsrätin Heidi Scherer (Meggen) ist klar: «Private können mit dem Geld besser umgehen als der Staat». Das gehört zu ihrem liberalen Credo. Aber sie sagt auch und zwar «ausdrücklich: Den Schutz der Schwächeren finde ich grundsätzlich richtig.»


 

 

Herbert Fischer: Wie sind sie politisiert worden?

Heidi Scherer: Ich bin in einem liberalen Haus, auf einem Bauernhof in Meggen, aufgewachsen. Wir haben am Mittagstisch immer politisiert. Weil mein Vater auf dem Hof arbeitete, war auch er am Mittag stets bei seiner Familie. Er war in den sechziger Jahren Präsident der Jungliberalen Kanton Luzern und auch sonst in vielen politischen Gremien engagiert. 1992 wurde er den Liberalen allerdings untreu und war Mitbegründer der SVP Kanton Luzern. Vor allem die Haltung der Liberalen in der Frage des EWR-Beitritts passte ihm nicht.

Sie aber sind ihm nicht in die SVP gefolgt?

Heidi Scherer: Nein. Ich bin und ich bleibe eine Liberale. Ich schätze an dieser Partei ihre Offenheit sowie ihre liberale und freiheitliche Grund- und Wertehaltung.

Was heisst das genau: «Liberale Grundhaltung»?

Heidi Scherer: Offen sein gegenüber Neuem, sich der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung nicht verschliessen, Anliegen aus der Bevölkerung aufnehmen. Der Staat soll nur eingreifen, wann und wo es unbedingt nötig ist, aber nie übermässig; ich denke auch, dass der Private mit dem Geld besser umgehen kann als der Staat; deshalb soll die Steuerbelastung tief bleiben.

In den Siebziger Jahren lautete ein FDP-Slogan: «Mehr Freiheit, weniger Staat». Ist das also auch ihre Devise?

Heidi Scherer: Ja, dieser Spruch ist mir heute noch sympathisch.

Wo haben wir «zuviel Staat», wo «zuwenig Freiheit»?

Heidi Scherer: Das Gewerbe zum Beispiel leidet unter einem grossen, zu grossen administrativen Aufwand, den es gegenüber dem Staat betreiben muss. Leider führt die zunehmende Anspruchsmentalität dazu, dass dem Staat immer mehr Aufgaben übertragen werden. Wenn die Begriffe Eigenverantwortung und Verursacherprinzip wieder mehr in den Vordergrund rückten, könnte wohl das eine oder andere Gesetz abgeschafft werden. Ich persönlich finde auch Anreizsysteme gute Instrumente, das Verhalten der Bevölkerung zu ändern.

Wer ist schuld daran?

Heidi Scherer: Gesetze entstehen oft, weil Wenige unvernünftig oder zu wenig weitsichtig handeln. Oder die Freiheiten werden missbraucht. Diese Gesetze gelten dann natürlich für Alle und schränken die Freiheit des Einzelnen ein. Aber ich sage ausdrücklich: Den Schutz der Schwächeren finde ich grundsätzlich richtig.

Nur «grundsätzlich richtig»?

Heidi Scherer: Wie gesagt, ich bin für Solidarität. Aber ich habe manchmal Mühe mit der zunehmenden Anspruchsmentalität.

Meggen gilt als reiche Gemeinde und hat den tiefsten Steuersatz. Was sagen sie zum innerkantonalen Steuerwettbewerb im Kanton Luzern?

Heidi Scherer: Wettbewerb finde ich eine gute Sache, unter den Kantonen aber auch innerkantonal. Im kantonalen Finanzausgleich ist Meggen die grösste Nettozahlerin, was ich aufgrund der Finanzlage auch in Ordnung finde; ich bin klar für diese Solidarität. Das System darf aber nicht überstrapaziert werden!

Ich bin klar gegen einen einheitlichen Gemeindesteuersatz. Die 83 Gemeinden unseres Kantons unterscheiden sich bezüglich ihrer topografischen Struktur, ihrer Lage, ihrer Bevölkerung und ihrer Arbeitsplätze, aber auch verkehrstechnisch sehr stark voneinander und sie entwickeln sich auch unterschiedlich. Dementsprechend haben sie auch unterschiedliche Bedürfnisse. Der Finanzausgleich, wie der Name schon sagt, wirkt ausgleichend. Apropos kantonaler Finanzausgleich und Solidarität: Meggen pflegt seit Jahrzehnten freundschaftliche Beziehungen mit Romoos im Entlebuch und hat sich finanziell immer grosszügig und solidarisch gezeigt. Romoos ist die Patengemeinde von Meggen.

Was denken sie: Würden sie als Liberale anders politisieren, wenn sie in Romoos und nicht in Meggen leben würden?

Heidi Scherer: Das kann ich nicht sagen, weil ich immer in Meggen gelebt habe und wohl leben werde. Aber wenn dem dennoch so wäre: Dort stünden sicher andere Themen im Vordergrund. Zum Beispiel hätte die Verkehrserschliessung einen anderen Stellenwert, sicher auch die Frage der Klassengrössen, überhaupt das Leben auf dem Lande. Aber ich fände in Romoos sicher auch, was ich hier in Meggen habe, nämlich einen Garten.

Sie sind Gärtnerin?

Heidi Scherer: Als «Puuretochter» habe ich eine enge Beziehung zu Tieren, Obstbäumen, Gemüse- und Blumengärten. Ich habe einen grossen Naturgarten und bin noch in einem Quartiergarten engagiert. In der Stadt würde dies wohl «urban gardening» heissen. Früchte und Gemüse sind praktisch das ganze Jahr vor Ort vorhanden, saisonal und lokal also. Gärtnern ist mein intensives Hobby, nicht mein Beruf. Einen «grünen Daumen» habe ich wohl aber schon. Zudem beschäftigen mich Natur- und Umweltthemen schon seit über 30 Jahren.

Dann verfolgen Sie sicher mit besonderem Interesse die Klima-Debatte innerhalb der FDP Schweiz?

Heidi Scherer: Sicher. Die Haltung von Parteipräsidentin Petra Gössi empfinde ich als sehr positiv und ich denke, dass sie auch eine gute Aussenwirkung hat. Aus meiner Sicht ist das Thema Umwelt in unserer Partei in den letzten Jahren zuwenig stark gewichtet, beziehugsweise medial besetzt worden. Ich denke, dass für viele Parteimitglieder, also die Leute an der Basis, die Sensibilisierung für Umweltthemen schon lange stattgefunden hat und diese teilweise «grüner» denken als die Zentrale. Sie sind sich bewusst, dass eine nachhaltige Umwelt- und Energiepolitik für künftige Generationen überlebensnotwendig ist. Und dass mit entsprechenden Innovationen nachhaltige Arbeitsplätze geschaffen werden können.

Was erwarten Sie von der Umfrage, die Petra Gössi bei den 120 000 Mitgliedern ihrer Partei durchführen wird?

Heidi Scherer: Ich erwarte genau, was ich soeben gesagt habe: Dass unsere Basis ein gutes, zukunftsweisendes Sensorium für die Umwelt- und Energiepolitik hat und sich deren Bedeutung sehr bewusst ist und auch bereit ist, entsprechende Zeichen nach aussen zu setzen.

Was denken sie: warum gibt es noch immer nur so wenig Frauen in den Parlamenten, obschon sie in der Bevölkerung die Mehrheit haben?

Heidi Scherer: Die Frauen müssen wollen und sie müssen gefördert werden. Nicht nur mit Worten, sondern mit Taten. Ich könnte mir mittlerweile, nach dieser langen Zeit der Gleichberechtigung auf Papier, vorstellen, dass bei einigen Bereichen eine temporäre Quote eingeführt wird. Da bin ich mit den FDP Frauen Schweiz einig. Es sollte im Interesse der ganzen Bevölkerung sein, dass der Frauenanteil in Parlamenten und auch Exekutiven steigt, da es auch hier um die Widerspiegelung der Bevölkerung und der Meinungsvielfalt geht. Zudem arbeiten gemischte Teams besser, sagen Forscher.

Eine Theorie besagt zudem, dass jene Frauen, die tatsächlich wählen, viel zu wenige Frauen wählen; manche Stimmen sagen sogar: dass Frauen kaum Frauen wählen. Sehen sie das auch so?

Heidi Scherer: Das habe ich auch schon gehört. Ich weiss es nicht. Ich weiss nur, dass bei den letzten Wahlen im Kanton Luzern im 2015 mehr Männer als Frauen an die Urnen gegangen sind (aber insgesamt ja nur knapp 40 Prozent der Stimmbevölkerung). Ich hoffe sehr, dass dies dieses Jahr anders sein wird, nicht zuletzt auch weil das überparteiliche Gremium «frauen-luzern-politik» aktiv geworden ist und Frauen im Kanton Luzern sensibilisiert und hoffentlich auch mobilisiert hat. Bei den diesjährigen Kandidierenden für den Kantonsrat beträgt der Frauenanteil immerhin fast 40 Prozent.

Es sollte doch nicht mehr als logisch sein, dass es in den Parlamenten mindestens so viele Damen wie Herren hat. Oder?

Heidi Scherer: Das sollte heute eine Selbstverständlichkeit sein, ja. Ich hoffe auch, dass Frauen sich mehr zutrauen und den Mut haben, sich politisch noch stärker zu engagieren. Dazu kommt mir der schöne Satz von Doris Fiala in den Sinn, den sich Frauen vermehrt zu Herzen nehmen sollten: «Ich kann, ich will, ich werde.»

Werden sie am 14. Juni am Frauenstreik mitmachen?

Heidi Scherer: Nein, am 14. Juni bin ich gar nicht in Luzern. Ich bin jedoch gespannt, welches Thema am Streik fokussiert wird. Ich bin gegenüber dem Frauenstreik wohlwollend kritisch eingestellt.

Interview: Herbert Fischer, Redaktor lu-wahlen.ch, Luzern (Interview fand am 19. März 2019 statt)

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